Auckland
Im neusten Ranking der Städte mit der höchsten Lebensqualität von ‚The Economist’ belegt Auckland den 20. Platz – und teilt sich diesen mit der Hauptstadt Wellington, und mit Berlin, Oslo, Brüssel und Osaka Kobe.
Im Vergleich zu Auckland sieht Rom mit seinen sieben berühmten Hügeln eher bescheiden aus - die ganze Stadt ist auf sehr unebenen Boden gebaut, was einen Spaziergang durch die Strassen vor allem mit vollem Magen reichlich anstrengend macht, wobei der Weg von der Innenstadt zum Uni-Campus schon fast sub-alpin anmutet.
Auckland hat ein relativ kleines Stadtzentrum mit Hochhaeusern, das sich mehr oder weniger auf die Queensstreet beschraenkt, und riesige Aussenbezirke, in denen sich Einfamilienhaeuser mit Gaerten aneinander reihen.
Auffaellig ist hier in Auckland vor allem der hohe Anteil an Menschen aus Japan, Indien, China, Pakistan, Samoa, Fidschis, Tonga, Indonesien, Taiwan, Malaysia, Thailand, Vietnam, Korea und Deutschland. Man muss wirklich aufpassen, über was man lautstark mit deutschen Kommilitonen philosophiert, denn das kann leicht zu peinlichen Situationen führen.
Studieren an der University of Auckland
Wenn ich mich unter Mein Montevideo noch über die stressige Uni in Uruguay aufgeregt habt, dann sicherlich nur deshalb, weil ich damals noch keine Ahnung davon hatte, was es heisst, in Neuseeland zu studieren. Mein Stundenplan enthaelt nur drei Vorlesungen im Postgraduate-Bereich, bei denen aber jeweils 10h pro Woche Vor- und Nachbereitungszeit angesetzt sind. Und das hat sich als eher untertrieben herausgestellt. Die Pflichtlektüre vor jeder Veranstaltung sowie mehrere Aufsaetze und Fallstudien erwies sich als aeussert zeit- und nervraubend.
Die Benotung basiert hier nicht wie in Deutschland auf einer einzigen Endklausur, sondern setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen: z.B.
drei Current Issue Reports Research Essay Praesentation Anwesenheit/ Mitarbeit Dreistündige Abschlussklausur | 15% 25% 10% 5% 45% |
Obwohl die University of Auckland beim Times Uni-Ranking ( www.thes.co.uk) mit dem 67. Platz weltweit relativ hoch gerankt wurde und die Business School immer wieder bei internationalen CaseStudy Wettbewerben gewinnt, ist es doch beruhigend festzustellen, dass Studenten hier tendenziell genauso alles in letzter Minute so schnell wie möglich erledigen wie an anderen Hochschulen.
War ich in Deutschland immer ein grosser Gegner der Einführung von Bachelor- und Master-Studiengaengen (die aber sukzessive durch den Bologna-Beschluss kommen), bin ich seit meinen Erfahrungen hier immer überzeugter. Viele Studenten hören nach dem Bachelor auf, weshalb die Klassen mit 8 bis 20 Studenten im Postgraduate-Bereich wirklich klein sind. Auch die Aktualitaet der Vorlesung und die Naehe zur Forschung ist hier um einiges höher als in Deutschland; oft arbeitet man mit den neusten Fachartikeln, die ein ungleich aktuelleres Bild bieten als ein oftmal jahrelang bewährtes Buch in Deutschland. Auch wenn einen die Assignments, Fallstudien, Vorträge und Artikel hier unterm Semester oft extrem ankotzen, musste ich feststellen, dass einem das Studieren hier wirklich was bringt.
Natürlich nerven auch einige Dinge, z.B. dass man trotz hoher Studiengebühren oftmals keinen PC im Computerraum bekommt (zumd. als undergraduate) und dass man für die Internetnutzung zahlen muss.
Der Campus liegt sehr zentral nur ein paar Minuten von der Queensstreet entfernt und bietet neben zahlreichen universitären Einrichtungen auch einen Supermarkt, einen Foodcourt, eine Apotheke und eine Post, so dass man wohl hier relativ autark Monate verbringen kann.
Eine grosse Bedeutung im Studentenleben haben hier die Studentenclubs, von denen es an die 100 gibt. Angefangen bei bodenständigem wie dem Wander-, Unterwasser- oder Filmclub über exotische Vereinigungen wie ‚Students for Justice in Palestina“ bis hin zu wirklich coolen Clubs. Man sagt, dass es mal einen „Club zur Förderung des Oralverkehrs“ gab, der aber von der Uni geschlossen wurde. Andere blieben:
KAOS - K.A.O.S (killing as an organized sport) is a club dedicated to having fun by killing each other with water pistols or paper swords, they organize events such as killing rounds, pacifist battles and other social events.
Meat Club - The Meat Club’s mission is to provide an inexhaustible supply of meat, thus creating peace and prosperity throughout the land, you can eat as much as you can at their BBQ if you are a member.
Drinking Club - The Drinking Club’s object is to foster and further the University social life and to promote activities beneficial to students on the campus such as ‘The Drinking Horn’;
www.drinkingclub.org.nz/ - Hier lohnt sich auf jeden Fall ein Blick in die Bildergallerie der letzten Veranstaltungen... ;)
Fazit: Es lohnt sich auf jeden Fall hierher zu kommen, wenn man nicht nur an einem Party-Semester interessiert ist. Und wenn, dann auf jeden Fall im Postgraduate-Bereich, der durch ein deutsch-neuseeländisches Bildungsabkommen verbilligt ist und bei dem man auch einiges mehr an Leistung im Vergleich zum undergraduate-Studium geboten bekommt.
Die Neuseeländer
Zumindest in Auckland scheint der Kiwi (der europäisch-stämmige Neuseeländer) ebenso vom Aussterben bedroht zu sein, wie sein Namensvetter der Kiwi-Vogel. Das Stadtbild ist eindeutig von Asiaten und Insulanern dominiert. Auch in den Vorlesungen stellen sie nur einen Anteil von 10 bis 20%. Dementsprechend wenig kann ich auch über ihre Eigenarten sagen – und auch wenn man meinen Mitbewohner Andrew nicht als Massstab nehmen kann, so haben die meisten anderen die Kiwis als eher verschlossen und zumindest am Anfang schwer zugänglich erlebt. Man hört auch, dass viele Neuseeländer ein eher einfaches Volk sein sollen, die sich gerne einem kulturlosen, amerikanisierten Lebenswandel hingeben, bei dem der Feierabend mit Take-Away Food vor dem Fernseher verbracht wird, in dem schlechte DailySoaps laufen. Am Wochenende scheint eine anständige Pubschlägerei auch von wenig überboten werden zu können – außer vielleicht vom Auto-Ausfahren. Wenn man freitagabends die Queensstreet entlanglaeuft, wundert man sich oft, weshalb dort um diese Uhrzeit Stau ist. Die Autoschlangen bestehen aber fast ausschliesslich aus übelst getunten Reisschüsseln, deren Fahrer mit offenem Fenster und lauter Musik mit Vollgas an der Ampel starten um wenige Meter spaeter mit Vollbremsung an der naechsten zum Stehen zu kommen. Dieser Volkssport scheint hier in Auckland noch größere Popularität zu genießen als Rugby.
Über die Menschen auf dem Land kann ich bisher wenig sagen, aber das wenigen Erlebnisse zeigten sehr freundliche und überaus hilfsbereite Menschen, die den weltweiten Ruf der Gastfreundschaftlichkeit rechtfertigen.
Das Land
Es ist wohl die Landschaft, die die meisten Besucher hierher ans andere Ende der Welt zieht. Und auch wenn ich erst wenig außer der Gegend um Auckland gesehen habe, weiss ich, dass sich alleine wegen ihr eine Reise nach Neuseeland lohnt.
Grüne Hügel, dichte Tropenwälder und verdammt schöne Strände, die man oft für sich alleine hat. Sobald man aus Auckland draußen ist, merkt man, wie dünn das Land besiedelt ist. Es gibt nur noch ein paar kleine Städtchen und schon Orte mit 400 Einwohnern sind als wichtig in den Landkarten eingezeichnet.
Das Leben in Neuseeland
Leben in Neuseeland ist easy. Alles in allem keine große Umstellung zu Deutschland oder zu Uruguay, außer vielleicht, dass Lenkräder rechts sind, Schlösser nach links aufsperren und alle Brote gleich schmecken.
Was ich wieder daheim aber auf jeden Fall vermissen werde, ist die Möglichkeit, das Surfboard zu packen, ins Auto zu steigen und 35 Minuten später im Wasser zu sein.
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