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Die folgenden Informationen über die Hauptstadt Uruguays stammen von
wissen.de:

Wie die meisten Besucher Montevideos sind auch wir von Buenos Aires aus gestartet. Als wir nur 30 Minuten nach Abflug auf der gegenüberliegenden Seite des Rio de la Plata ankommen, fällt uns im ersten Moment kaum auf, dass wir in einem anderen Land sind. Die enge Beziehung zu Argentinien hat das Stadtbild Montevideos deutlich geprägt.


Stadt am Rio de la Plata: Montevideo.
© aisa, Barcelona



1724 von den Spaniern gegründet, um den weiteren Vormarsch der Portugiesen in die Gegend um den Rio de la Plata zu verhindern, stand die heutige Hauptstadt Uruguays im Laufe ihrer fast 300-jährigen Geschichte immer unter starkem Einfluss ihrer mächtigen Nachbarn. 1825 waren es argentinische Truppen, die Uruguay in seinem Unabhängigkeitskampf gegen die brasilianische Besatzungsmacht unterstützten. Und auch nach der Anerkennung der Unabhängigkeit blieb immer eine starke Verbundenheit beider Länder bestehen. Der intensive kulturelle Austausch zwischen den Ufern des Rio de la Plata springt dem Besucher zunächst in Form der ähnlichen Architektur ins Auge. Auf den ersten Blick bemerkt man kaum Unterschiede.


Eindrucksvoll: Prachtbauten an der Plaza Independencia.
© aisa, Barcelona


Wirft man jedoch einen zweiten Blick auf die eindrucksvollen Gebäude im spanischen Kolonialstil, erschreckt einen der schlechte Zustand vieler dieser ehemaligen Prachtbauten. Häufig sind sie schon stark verfallen und lassen ihren Glanz früherer Zeiten nur noch leise erahnen. Die Stagnation der am stärksten staatlich dominierten Wirtschaft ganz Südamerikas macht sich zunehmend im Stadtbild der Hauptstadt bemerkbar. Sowohl die Wahl Montevideos als Hauptsitz der Handelsgemeinschaft Mercosur wie auch die Ernennung zur lateinamerikanischen

Kulturhauptstadt 1996 haben zwar durch entsprechende Subventionen zur Eindämmung des Schadens beigetragen, konnten jedoch den Verfall des architektonischen Erbes der Kolonialzeit leider auch nicht aufhalten.


Die Ciudad Vieja (Altstadt) von Montevideo ragt als kleine Halbinsel in den Rio Plata hinein und ist im typischen Schachbrettmuster der spanischen Kolonialstädte angelegt. Stark geprägt durch den großen Zustrom von spanischen und italienischen Einwanderern im frühen 20. Jahrhundert erinnert dieser Stadtteil besonders stark an Europa. Eine ganz besondere Atmosphäre verleiht ihm zusätzlich seine hügelige Topographie, die einen immer wieder an San Francisco denken lässt.


Berühmte Bühne: Teatro Solis.
© aisa, Barcelona



Das Herz der Ciudad Vieja bildet die Plaza Independencia, auf der sich auch der größte Teil der Stadtverwaltung in öffentlichen Gebäuden aus der republikanischen Ära befindet. In der Mitte des Platzes steht das Mausoleo de Artigas, die berühmte Grabstätte von José Gervasio Artigas, der 1811 den Unabhängigkeitskrieg gegen die Spanier und die Portugiesen ausrief und deshalb bis heute als Befreier und Staatsgründer Uruguays gilt. Als Zeichen der großen Verehrung ihres Nationalhelden haben die Bewohner der Stadt eine Ehrenwache rund um die Uhr eingerichtet. Der schwitzende Wachsoldat vermittelt allerdings den Eindruck, als ob er sich weitaus mehr für die braungebrannten Beine der Touristinnen als für den Befreier seiner Vorfahren interessieren würde.

Wir interessieren uns indessen für den eindrucksvollen Palacio Salvo, der mit seinen 26 Stockwerken bis 1927 das größte Gebäude Südamerikas war und bis heute das größte Montevideos ist. Einen zweiten Blick verdient auch noch das Teatro Solis, das voller Stolz auf seine 150-jährige Geschichte blickt, in deren Verlauf es Berühmtheiten wie Sarah Bernhard, Toscanini und Caruso präsentieren durfte. Und auch heute noch ist es als Haustheater der Comedia Nacional das wichtigste Theater Montevideos. Nachdem wir es gebührend bewundert haben, machen wir uns auf den Weg zum berüchtigten Mercado del Puerto, von dem man sich nach einstimmiger Meinung sämtlicher besorgter Taxifahrer und Hotelportiers in der Dunkelheit unbedingt fernhalten sollte, der aber tagsüber als eine der Hauptattraktionen der Stadt gilt.


Originell: Abfallbeseitigung per Pferdekarren.


Unser Weg zum Hafen führt uns durch die Avenida 25 de Mayo, vorbei an eindrucksvollen Gebäuden aus dem 18. und 19. Jahrhundert, unter ihnen zahlreiche ehemalige Residenzen uruguayischer Nationalhelden. Leider kann man von der ursprünglichen Schönheit dieses Viertels nur noch träumen, da die Unabhängigkeitsbehörden nach 1828 viele der alten Kolonialbauten gezielt zerstört haben, um ein neues

Stadtzentrum östlich der Altstadt aufzubauen. Seinen ganz besonderen Charme erhält es heute vor allem durch seine für Montevideo so typische Mischung von Alt und Neu und Arm und Reich. Zwischen den prunkvollen alten Gebäuden sieht man überall sogenannte 'conventillos', heruntergekommene Mehrfamilienhäuser, in denen sich Flüchtlinge vom Land massenweise auf minimalem Raum zusammendrängen. Weltweit vertretene Fachgeschäfte lassen den Verpackungsmüll ihrer modernsten technischen Geräte von einem alten Pferdekarren abholen. Fasziniert von der Vielfältigkeit dieses kleinen Hafenviertels erreichen wir schließlich den Mercado del Puerto.


Hier werden wir sofort von einer Herde gutaussehender junger Kellner umgarnt, die in den zahlreichen Restaurants auf dem Marktplatz alle das beste Essen zu den günstigsten Preisen anbieten. Trotz der großen Verlockung betreten wir zunächst einmal das Innere der großen Markthalle. Wenn man an den vielen einladenden Ständen vorbei schlendert, begreift man erst vollständig die große Bedeutung der Viehzucht in Uruguay. Das Land lebt bis heute überwiegend von seinen


Zentrum für Gaumenfreuden: Parilla im Mercado del Puerto.

Agrarprodukten, von denen über 90% in Montevideo verarbeitet werden. Das glauben wir gerne. Auf allen Seiten türmen sich auf überdimensionalen Grills gigantische Fleischberge. Ganze Tiere kann man von diesen sogenannten Parillas fertig zubereitet mitnehmen oder auch an Ort und Stelle verschlingen. Zu einem kleinen Schwein zwischendurch würden uns auch gerne die stolzen Köche überreden, die zwar unsere höfliche Zurückhaltung akzeptieren, dafür jedoch auf keinen Fall auf unserem Foto fehlen wollen.


Nicht nur tagsüber heiß: Viel Leben an der Playa Pocitos.
© aisa, Barcelona


Als sich die Sonne schließlich langsam über den Hafen senkt, reißen wir uns schweren Herzens von Köchen, Kellnern und Köstlichkeiten los und nehmen unser nächstes Ziel in Angriff. Es heißt Playa Pocitos und ist nach Sonnenuntergang vor allem bei jungen Leuten sehr beliebt, weil sich in den letzten Jahren das Nachtleben Montevideos immer mehr an diesen weitläufigen Sandstrand verlagert hat. Schöner als das Ziel ist in diesem Fall jedoch fast der Weg dorthin. Auf der großen Rambla fährt man direkt am Meer die ganze Küste der Halbinsel Punta Carretas entlang, vorbei an liebevoll angelegten Wohn-

gegenden, traumhaften Luxusvillen und großen öffentlichen Parks. Während der Taxifahrer voller Begeisterung über unsere deutsche Herkunft endlose Reden über Bayern-München schwingt, lassen wir uns von dem wunderschönen Sonnenuntergang über dem Rio Plata verzaubern und träumen von einem kleinen Häuschen mit Seeblick und einem Leben voller friedlicher Tage und Tango-durchtanzter Nächte. Und um diese Nächte erstmal kennen zu lernen, werden wir uns jetzt in eine der zahlreichen kleinen Bars setzen und eine große Karaffe von dem erfrischenden Mixgetränk aus Wein und Fruchtsaft bestellen, das für Montevideo so charakteristisch ist. Und genauso charakteristisch für Montevideo ist auch sein Name. Medio y Medio - halb und halb. Genauso wie diese unvergessliche Stadt voller Gegensätze.

Quelle: Wissen.de  



 



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