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Auf dieser Seite habe ich versucht, meine Erfahrungen über das Leben und Studieren in Uruguay und Neuseeland zu vergleichen. Diese beiden Länder haben nicht wirklich viel gemeinsam, deswegen muss ein Vergleich wohl von vornherein hinken. Und darüber hinaus spiegelt er natürlich nur meine persönlichen Eindrücke wieder, viele werden wohl das eine oder andere anders gesehen oder erlebt haben.


Das Land

Uruguay ist im Prinzip eine einzige riesige Kuhweide – auch ohne viel vom Land gesehen zu haben, verlässt man es mit dem Gefühl, wenig verpasst zu haben. Die Landschaft bietet sicherlich keinen Anlass, fünf Monate in Uruguay zu verbringen.


Es sind diese atemberaubenden Landschaften, die für Neuseeland so charakteristisch sind und das Land so einzigartig machen: Ein bisschen wie in Schottland oder Irland auf der Coromandel-Halbinsel, fast schon tropische Strände in der Bay of Plenty, ein wenig Schweden im Norden der Südinsel und natürlich die grandiosen neuseeländischen Alpen.
10 von 10 Punkten.


Die Stadt

Für mich war es ziemlich überraschend, dass Montevideo im Vergleich zu Auckland weit europäischer ist. Man findet sich ziemlich schnell zurecht und im Prinzip macht auch das viel kritisierte öffentliche Verkehrsnetz keine allzu großen Schwierigkeiten. Die Stadt selbst ist bis auf ein paar Straßenzüge eher unspektakulär, die Ciudad Vieja ist aber eine ziemlich nette Gegend, um wegzugehen und der Stadtstrand in Pocitos ist vor allem im Sommer wohl eine angenehmer Platz. Ziemlich schade ist, dass es in ganz Montevideo kein einziges gemütliches Cafe zu geben scheint, in dem man einfach draußen sitzen kann um das Treiben auf der Straße zu beobachten.
Alles in Allem eine ziemlich entspannte mehr Klein- als Großstadt - zum Wohlfühlen gut geeignet, zum dort Leben zumindest aber für mich keine Option.


Auckland ist durch seinen hohen Anteil an Immigranten aus Asien und den pazifischen Inseln wirklich multikulturell - so stark, dass man westliche Kultur fast vergebens sucht. Echte Sehenswürdigkeiten sucht man auch hier eher vergeblich. Dafür gibt es neben den großen Ketten aber vor allem in den Nebenstraßen ziemlich viele gemütliche Cafes, in denen sich wunderbar die Zeit vertrödeln lässt, die eigentlich fürs Lernen gedacht war. Durch seinen kleinen Stadtkern und die riesigen Randbezirke kann eine Fahrt ins Zentrum durchaus mal lang werden, dafür gibt es aber immerhin ländliche Ruhe und Abgeschiedenheit.
Im Fazit eine moderne Stadt, die wohl hinter Christchurch, Queenstown und Wellington für mich zu den schönsten Neuseelands zählt - auch wenn die Konkurrenz dahinter echt schwach wird.


Die Universität

Man kann nur hoffen, dass die Einführung von Studiengebühren in Deutschland nicht zu den gleichen Zuständen führt, wie sie an der Universidad Católica del Uruguay herrschen: Als Gegenleistung für die Bezahlung der Studiengebühren erhält man weniger hochwertige Vorlesungen, sondern wohl mehr einen ziemlich geebneten Weg zum Abschluss. Durchfallen wird einem schwer gemacht – sich zu Recht zu finden aber auch. Der Ablauf ist alles andere als organisiert, Prüfungen fallen aus, werden ohne Ankündigung verschoben; Auskunft gibt jeder gerne, nur selten die richtige; zumindest für die Sprachkurse scheint ein Lehrgang in Vorschulpädagogik ausreichend zu sein.


Die University of Auckland hat mich mit ihrer Qualität und Aktualität der Lehre ziemlich überrascht – Alles in Allem waren für mich die Veranstaltungen sehr nah an den aktuellen Forschungsergebnissen und die Professoren waren durchweg motiviert. War auf jeden Fall eine gute Wahl. Auch wenn der Arbeitsaufwand den Spaß am Studieren fast verdirbt… kein Vergleich zum schönen Deutschland, wo das Studium auch noch Zeit zum Leben lässt ;)


Die Menschen

Es ist in Uruguay wohl um einiges schwieriger, keine Urguayer kennen zu lernen, als mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Ich habe die Menschen dort als sehr offen und freundlich erlebt und auf einer Party dauert es normalerweise nicht lange, bis man mindestens die Hälfte der Einheimischen kennt. Diese Freundlichkeit habe ich auch bei vielen anderen Menschen erlebt, denen ich regelmäßig begegnet bin, wie z.B. den Jungs aus dem Obstladen oder den Mädels aus der Bäckerei.


Die Neuseeländer sind ja weltweit für ihre Offenheit und Gastfreundschaft bekannt. Und zumindest außerhalb von Auckland habe ich das auch so erlebt.
Dennoch hatte ich in Neuseeland bei weitem nicht so viel Kontakt zu Einheimischen wie in Uruguay – was natürlich auch an meinen eingeschränkten Bemühungen und der ständigen Gegenwart von Deutschen gelegen hat.


Die Frauen

Lateinamerikanische Frauen verkörpern wohl oftmals den Idealtypus vieler Männer – und das sicherlich nicht zu Unrecht ;) Für mich persönlich im Übrigen trotzdem uninteressant – aber blind bin ich ja auch nicht.


Leider muten die meisten Neuseeländerinnen eher englisch an – Und England ist ein Land, das weder für seine kulinarischen Genüsse noch für seine schönen Frauen bekannt ist.


Das Essen

Der größte Teil der uruguayischen Speisekarte besteht aus Burgern, Pizza, Sandwiches und Steaks, in der Regel serviert mit Pommes. Vitamine finden sich allenfalls in der Salatdekoration. Für Nicht-Vegetarier ist die Region Rio de la Plata ein El Dorado – die besten Steaks der Welt kommen aus dieser Gegend und ein BBQ ist hier stets reichlich und preisgünstig… auch wenn hier teils sehr seltsame Dinge aus dem Kuhinneren auf den Grill kommen.


Fish’n Chips. Fish’n Chips und vielleicht noch Fish’n Chips. Diese von den Engländern übernommene Spezialität gibt es in Neuseeland überall zu kaufen. Der Rest der Karte besteht aus typischem Pub-Food wie Burgern, Steaks und Sandwichs. Kam mir irgendwie bekannt vor. Aber dank der unzähligen asiatischen Immigranten gibt es eine unglaubliche Auswahl an köstlichem und günstigen Essen: heute indisch, morgen japanisch, dann türkisch (OK, die kommen nicht aus Asien), dann chinesisch, koreanisch…


Das Leben

Tranquilo – die Lebenseinstellung vieler Lateinamerikaner prägt natürlich den Tagesablauf in Uruguay. Stress war in den Monaten ein Fremdwort – schlafen bis 10:00, dann ein gemütliches Frühstück bei den neusten Nachrichten auf DW, dreimal die Woche ein bisschen Uni, abends mit den Jungs auf der Couch abhängen. Herzversagen muss wohl niemand fürchten in Uruguay. Für meinen Geschmack bietet Uruguay aber eindeutig zu wenige Möglichkeiten, seine Freizeit sinnvoll zu gestalten. Ich hatte Zeit, viel Zeit – aber ein bisschen wenig war damit anzufangen.


Neuseeland bietet unzählige Möglichkeiten, den Tag ohne Langeweile zu verbringen. Für mich absolut die schönste war das Surfen – und dazu hat man in der Nähe von Auckland schon viele Möglichkeiten – ganz zu schweigen von Stränden, die sich an einem Wochenendausflug erreichen lassen. Schon alleine damit lassen sich wohl gut und gerne fünf Monate rumkriegen. Aber daneben gibt es natürlich noch Wandern, Raften, Fischen, Fallschirmspringen oder einfach nur durch die phantastische Landschaft cruisen. Zu tun gibt es also viel – leider auch in der Uni. Eindeutig zu viel. Samstage, Sonntage oder sogar –wenig produktive– Nächte in der Uni sind leider mehr die Regel als die Ausnahme.




Fazit:
Wenn ich mich heute, nach allen Erfahrungen, noch einmal entscheiden müsste, würde ich es wohl noch einmal genauso machen. Zwei Auslandssemester hintereinander zu machen, hat zwar einen deutlichen Nachteil: Man hat weniger Zeit. Und man verlässt ein Land, gerade nachdem man sich richtig eingelebt hat, der eigentliche Alltag beginnt und man soziale Kontakte geknüpft hat. Bei fünf Monaten kommt selten das Gefühl auf, dass man in diesem Land ernsthaft lebt und arbeitet, vielmehr befindet man sich einem Zustand des andauernden Urlaubs - was leider regelmäßig zu Lasten der universitären Motivation geht.
Auf der anderen Seite sieht man mehr, lernt verschiedene Länder und Universitäten kennen und trifft mehr Menschen.

Müsste ich mich jedoch für eines der beiden Länder entscheiden, so würde ich wohl nach Neuseeland gehen. Das Land bietet einfach mehr zum erleben und auch das Studium an der University of Auckland hinterlässt weit weniger das Gefühl, einfach nur Zeit verschwendet zu haben.
Aber so gut es mir dort auch gefallen hat, gehöre ich dennoch nicht zu denen, die Neuseeland als Traumland zum auswandern ansehen - dafür ist es einfach zu weit ab vom Schuss.



 



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